„Unser Bier
schäumt auf Spitzenniveau“
Sächsischer Brauerbund zog positive
Bilanz auf der diesjährigen Mitgliederversammlung in Torgau und Zwethau
Torgau/Zwethau (TZ). „Wenn der Gesamtbierabsatz Sachsens in den letzten Jahren das Kriterium für die Entwicklung der deutschen Brauwirtschaft wäre, dann müsste sich unsere Branche voll mit dem wirtschaftlichen Aufschwung in Deutschland identifizieren.“
Mit diesen Worten konnte der Präsident des Sächsischen Brauerbundes, Dr. Hans-Wolfgang Lambrecht, den Bericht zum Geschäftsjahr 2006 im Rahmen der diesjährigen Mitgliederversammlung in Torgau beginnen.
Nach einem Bestwert im Jahr 2005 hat die sächsische Brauwirtschaft im Bierjahr 2006 mit 8,833 Millionen Hektolitern ein neues historisches Absatzhoch erreicht. Damit noch nicht genug im ersten Jahresdrittel 2007 steht ein aufgelaufenes Plus von 7,1 Prozent und damit zumindest eine gute Basis für das weitere gute Abschneiden im laufenden Jahr.
Bier braucht Heimat
Der Absatz erfolgt bundesweit, jedes Bier hat jedoch auch ein Kerngebiet, in dem es besonders gefragt ist. „Bier braucht Heimat“, meinte Reinhard Zwanzig - Geschäftsführer des Sächsischen Brauerbundes, dazu. Zu der positiven Bilanz haben alle 57 Braustätten des Freistaates beigetragen „Allerdings wird der Löwenanteil mit etwa 86 Prozent von unseren 15 Mitgliedsbetrieben erbracht“, so Dr. Lambrecht.
Für rund 2000 Beschäftigte konnte durch die gute Absatzentwicklung der Arbeitsplatz gesichert werden. „Wir sehen gegenwärtig auch kein Risiko für einen Stellenabbau“, versicherte Dr. Lambrecht auf Nachfrage der Torgauer Zeitung.
Aber auch bei den Brauern ist nicht alles eitel Sonnenschein! „Steigende Energie- und Logistikkosten zwingen die kleineren und die großen Brauereien zu neuen kreativen Lösungen.“
Mit dem Blick auf das Torgauer Fresh Lemon verwies der Präsident des Brauerbundes auf die vielfältige Palette der Biermischgetränke, die von fast jeder Brauerei zur Vervollständigung des Sortiments genutzt wird. „Kreativität wird in den sächsischen Braustätten großgeschrieben. Jeder versucht, die Chance auch in den Nischenbereichen zu nutzen“, kommentierte Dr. Lambrecht die aktuelle Situation.
Das Fachthema der Jahrestagung beschäftigte sich mit der Braugerste, dem hauptsächlichen Rohstoff des Biers aufgrund des Anbaurückgangs im Fokus der Brauer. „Der Landwirt wandelt sich immer mehr zum Energiewirt. Seit Jahren fördert der Staat zunehmende Flächen bei nachwachsenden Rohstoffen für die Bioenergie. Eine ausreichende Menge und eine auch künftig hohe Qualität der Braugerste das sind die Schwerpunktforderungen des Sächsischen Brauerbundes an die Landwirtschaft.“
Diese beschränkt sich beileibe nicht auf Sachsen, kann doch aufgrund der vorhandenen Böden hier eh nur ein Teil der benötigten Braugerste angebaut werden. Außerdem scheint sich auch bei Weizen ein ähnlicher Trend zu zeigen.
Die hohe Qualität, die von der Brauindustrie gefordert wird, kann nicht überall erreicht werden. „Seit Jahren bauen wir deshalb immer engere Kontakte zu den Landwirten auf“, ergänzte Reinhard Zwanzig. Mälzer und Landwirte sind daher gern gesehene Teilnehmer bei Fachtagungen. Angesprochen auf die aktuelle Thematik des zunehmenden Alkoholmissbrauchs, auch schon bei Jugendlichen, verweist der Sächsische Brauerbund auf die bundesweite Initiative „Bier bewusst genießen“, an der sich auch die Sachsen beteiligen.
Die Mitglieder des Sächsischen Brauerbundes je zur Hälfte mittelständische Privatbrauereien und konzerngebundene Brauereiunternehmen profitieren seit 17 Jahren vom Miteinander im regionalen Fachverband. Kooperation, Erfahrungsaustausch und gemeinsames Lobbying werden von allen Brauereien wahrgenommen.
Der Nachweis für den guten Ruf des sächsischen Bieres sind die Steigerungen im Bierabsatz der letzten zehn Jahre. Dr. Hans-Wolfgang Lambrecht: „Nicht zu vergessen, im Rahmenprogramm unserer Veranstaltung wollten wir auch die ostelbische Umgebung von Torgau kennenlernen. Und am Abend selbstverständlich ein gutes Torgauer Bier verkosten das ist die angenehme Seite unserer Branche.“
Natürlich nutzte auch Josef Tremmel, Geschäftsführer der Neuen Torgauer Brauhaus GmbH, die Gelegenheit der Tagung vor Ort, um die Ergebnisse des hiesigen Unternehmens darzustellen. So betrug der Gesamtumsatz im Jahr 2006 zirka 75 000 hl (davon zirka 10 000 hl Brause und 7000 hl Doppelcaramel als Spezialität). „Das Torgauer Brauhaus ist seit vielen Jahren Mitglied des Sächsischen Brauerbundes. Zusätzlich sind wir Mitglied im sogenannten Mittelstandsforum, welches vor etwa drei Jahren durch den SBB ins Leben gerufen wurde. Hier fühlen wir uns gut aufgehoben, da dort besonders die Belange der mittelständischen Regionalbrauereien berücksichtigt werden“, konstatierte Tremmel. Bezüglich der Produktinnovationen hat sich im Torgauer Brauhaus in den letzen Jahren einiges getan. So wurde im Jahr 2005 das Torgauer Premium Pils mit großem Erfolg eingeführt. Die erzielten Umsatzzuwächse sind neben der ständigen Verbesserung der Bierqualität sicher auch darauf zurückzuführen, dass das gesamte Erscheinungsbild neu gestaltet wurde.
Innovationen
Im Jahr 2006 folgte die Neuauflage des „Torgauer Original Helles“, welches vor allem hier in der Region einen stark ansteigenden Absatz verzeichnet. „Der seit Jahren registrierte Anstieg bei Biermischgetränken hat uns veranlasst, im März dieses Jahren das neue Torgauer Fresh Lemon auf den Markt zu bringen“, informierte Tremmel. Die optimistische Umsatzplanung scheint auch hier aufzugehen. „Eine Neuheit ist sicher, dass wir als einzige Brauerei dieses Getränk im 30- und 50-Liter-Fass für die Gastronomie und für Feste anbieten.
Das spezielle Lemon-Glas erfreut sich nicht nur bei Konsumenten, sondern auch bei Sammlern großer Beliebtheit“, wusste Tremmel zu berichten. Und was ist für 2008 geplant? „Da lassen Sie sich mal überraschen …“, meinte Tremmel mit einem Lächeln.