Weitere neue Marktanteile gewonnen
Der Dezember ist der Monat der Rückschau. Es gilt Bilanz zu ziehen. Waren die letzten Jahre in der Geschichte des Brauhauses Torgau von allerlei Turbulenzen gekennzeichnet, so scheint man das Schiff in diesem Jahr in ruhiges Fahrwasser gesteuert zu haben. Spektakuläre Aktionen blieben aus. Das hatte sicherlich verschiedene Gründe. Wie sich die aktuelle Situation darstellt, und was im kommende Jahr auf die Freunde der Torgischen Biere zukommt, erfuhr die TZ im Gespräch mit Josef Tremmel, Geschäftsführer der neuen Torgauer Brauhaus GmbH.
TZ: Wie fällt Ihre Bilanz 2006 aus?
J. Tremmel: Nach heutigem Stand wird das Jahr 2006 ähnlich wie das Vorjahr verlaufen. Die Akzeptanz unserer Brauerei sowie Produkte in der Region verbesserte sich zusehends, was in einem kräftigen Anstieg des Marktanteiles im Altlandkreis Torgau sowie im Raum Herzberg zum Ausdruck kommt. Das zeigte sich konkret am Flughafenfest in Lönnewitz und dem traditionellen Pfingstfest, wo allein unser Bier ausgeschenkt wurde.
Lässt sich der Zuwachs in konkrete Zahlen fassen?
Zum Beispiel der Fassbieranteil konnte in dieser Region um gut 15 Prozent gesteigert werden, obwohl gerade dieses Geschäftssegment hart umkämpft ist. Ähnlich verläuft die Entwicklung bei unserem Premium Pilsner und dem erst dieses Jahr erschienenen Torgauer Original Hell. Auch hier können wir für das Jahr 2006 mit einem Umsatzanstieg von rund 13 Prozent rechnen.
Also nur positive Trends?
Nein, Einbußen mussten wir im Bereich Lohnproduktion, das heißt Abfüllungen für überregionale Anbieter hinnehmen. Der Rückgang beläuft sich hier auf rund zehn Prozent.
In diesem Segment findet sich immer jemand, der es scheinbar noch billiger macht. Inwieweit bei diesen Dumpingpreisen, die wir nicht mitgehen wollen, noch die entsprechenden Qualitätsstandards eingehalten werden, wage ich zu bezweifeln. Irgendwo ist einfach eine rechnerische Grenze, bei der man aussteigen muss, auch wenn es zu Umsatzrückgängen führt.
Wie lautet Ihre grundlegende Bewertung für 2006?
Insgesamt ist bisher unsere Strategie, die Umsätze mehr auf die Region zu konzentrieren, aufgegangen. Allein schon die gestiegenen Logistikkosten machen dieses Vorgehen sinnvoll.
Welche Tendenzen lassen sich für das kommende Jahr erwarten?
Für 2007 rechnen wir derzeit mit einem leicht steigenden Umsatz für unsere Brauerei, obwohl der Bierkonsum seit Jahren rückläufig ist. Das Jahr 2006 war aufgrund des schönen Wetters und der Fußball-WM sicher ein Ausnahme-Jahr und kann nicht ohne Weiteres für künftige Prognosen zugrunde gelegt werden. Die erwartete Umsatzsteigerung basiert auf der ständig gleichbleibenden hohen Qualität unseres Premium-Pilsners, die uns durch regelmäßige Kontrollen in Weihenstephan ständig bestätigt wird.
Stichwort Mehrwertsteuer-Erhöhung. Was ist in diesem Zusammenhang zu erwarten?
Wie sich das Kaufverhalten aufgrund der Mehrwertsteuererhöhung auswirken wird, kann derzeit keiner in der Branche abschätzen.
Nach meiner Auffassung wird jedoch viel mehr die für das Jahr 2007 anstehende Preiserhöhung in der Branche aufgrund der explosionsartig gestiegenen Energie- und vor allem Rohstoffkosten ausfallen.
Welchen Umfang hat eine solche Preiserhöhung?
Die erst kürzlich von einem Mitbewerber aus Sachsen angekündigte Erhöhung von einem Euro je Kiste ist durchaus realistisch. Schade ist nur, dass davon aufgrund der derzeitigen Malz- und Energiepreise sowie der generell gestiegenen Einkaufskosten für die jeweilige Brauerei kaum etwas übrig bleibt. In diesem Zusammenhang möchte ich aber auf die gute Zusammenarbeit mit den Torgauer Stadtwerken hinweisen. Hier haben wir einen guten Partner gefunden. Ein Vergleich mit Mitbewerbern hat gezeigt, dass unsere Stadtwerke diesen nicht zu scheuen brauchen, keine besseren Konditionen angeboten wurden.
Wie wird man im Brauhaus Torgau bezüglich von Preiserhöhungen reagieren?
Die angesprochene Preiserhöhung wird nach meiner Auffassung nicht vor dem 2. Quartal 2007 greifen. Wir für unser Haus haben jedenfalls festgelegt, nur die Mehrwertsteuererhöhung weiterzuberechnen und keine sonstigen Erhöhungen weiter zugeben.
Neues Jahr, neue Produkte was haben wir hier zu erwarten?
Was unsere Produktpolitik anbelangt, hatten wir mit unserem Torgauer Premium Pilsner sowie dem neuen Torgauer Original Hell den Geschmack der Verbraucher getroffen, was ja die bereits erwähnte Umsatzentwicklung verdeutlicht. Auch Zilles Fassbrause und das Doppel Caramel bleiben im Sortiment.
Für das Jahr 2007 haben wir uns auch wieder vorgenommen, eine neues Produkt auf den Markt zu bringen. Mehr will ich an dieser Stelle noch nicht verraten.
Wird es weitere Investitionen im Bereich Technik geben?
Bezüglich der Technik sind wir mittlerweile auf einem Stand, der uns eine ökonomische Produktion auf hohem Qualitätsniveau ermöglicht. Sicher gibt es immer noch Wünsche, die wir uns gerne erfüllen würden. So zum Beispiel die Neugestaltung unseres Aufenthaltsraumes, welchen wir auch für unsere Bierverkostungen und Brauereibesichtigungen nutzen. Das Wichtigste an einer Brauereibesichtigung ist natürlich die Beobachtung der Produktionsabläufe, aber ein gemütliches Umfeld bei der anschließenden Verkostung rundet das Ganze ab und lässt diese Besichtigung erst richtig zu einem Erlebnis werden.
Leergut ist immer eine heikle Frage. Bleiben Sie bei Bügelflaschen?
Wir bleiben auch hier unserer Linie treu. Ein großes Dankeschön möchte ich an dieser Stelle noch der Lebenshilfe Torgau zollen. Ohne ihre Unterstützung wäre das Sortieren der Bügelflaschen beim Rücklauf einfach nicht zu bewältigen.
Wenn ich das richtig interpretiere, dann wird es in personeller Hinsicht keine Veränderungen geben?
Was diese Zahlen betrifft, setzen wir auf Konstanz. Wir haben einen gleichbleibenden Personalbestand von 36 Mitarbeitern. Ein Lehrling wird erst wieder aufgenommen, wenn der jetzige seine Ausbildung beendet hat.
Gespräch: Frank Lehmann
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